Der Krebskillerblog

Unmittelbar nach meiner Diagnose begann ich meine persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse, aber auch Informationen zum Thema Brustkrebs und viele Tipps (auch zur Ablenkung) in einem Blog zu notieren. Chronologisch nach Jahr und Monat geordnet, könnt ihr hier alles nachlesen.

Und das ist mein bislang letzter Artikel:

Chaos oder Krise

Ich habe lange nichts von mir hören lassen, weil mich der normale Alltag wieder voll gefangen nimmt. Doch heute gibt es Neuigkeiten, aber weniger schöne, denn es geht mir gerade nicht besonders gut. Kann sein, dass es daran liegt, dass ich am Montag zum PET-CT muss und von dem Gedanken daran Bauchschmerzen bekomme.

Immer öfter beschleicht mich das Gefühl, dass irgend etwas nicht gut ist. Ich habe wieder Schmerzen in der Brust. Vielleicht ist das nur selbstgemachter Terror. Das einzige, was ich dagegen tun kann und was ein wenig ablenkt, ist Arbeiten. Das mache ich wohl sogar mehr als mir guttut. Ich bin immer noch extrem gern Anästhesistin. Mein Job, mein absoluter Traumjob, ist ein Teil von mir. Hier kenne ich mich aus und fühle mich zu Hause.

Manchmal ist es auch Musik, die mich auffordert, vorgetretene Wege hin und wieder zu verlassen, so wie zum Beispiel Gary Barlows Song Jump:

 

"if you want a better view

then another life is calling you

to go ahead and try now

or how you gonna find out

if life has got predictable

go on do something wonderful

the first step is the hardest

you'll be safe without a harness

so jump"

(Gary Barlow - Jump, 2013)

Gary Barlow - Jump (live), 2013

Aber am Abend abzuschalten, fällt mir schwer. Mir schmerzen dann oft die Beine und ich fühle mich chronisch müde. Ich gehe immer noch dreimal pro Woche schwimmen. Freiwillig! Aber auch das sind Termine. Immer öfter quäle ich mich ins Schwimmbad und erst, wenn ich im Wasser bin, geht es mir besser. Wenn ich am Abend einen Film sehen möchte, fehlt mir oft die Geduld, 90 schlappe Minuten entspannt durchzuhalten. Dann gehe ich lieber früher schlafen. André erträgt mich tapfer, obwohl ich nach der Arbeit eher eine Spaßbremse bin als eine Partnerin zum Unterhalten.

Körper, Herz und Hirn wollen nicht immer das Gleiche. Mein Hirn sagt oft: "Willkommen zurück im alten Leben! Du bewältigst deinen Job und zur Erholung reicht das Wochenende." Das Herz reagiert entsetzt: "Du hattest dir doch vorgenommen, mehr auf dich zu achten und notfalls auch mal die Notbremse zu ziehen." Mein Körper ergänzt dann müde, erschöpft und in Anlehnung an mein altes System der Wohlfühlpunkte: "Sorry, auch heute wieder reicht es nur für maximal sechs Punkte."

Kennt ihr sowas auch? Wie kann ich diesem Teufelskreis entrinnen? Ich fürchte, mir fehlen dafür die wirklich guten Ideen und ich hoffe, nach dem PET-CT und dessen Auswertung wieder aus dem Hamsterrad heraus und zu mir zurück zu finden. Schließlich gibt es noch so viele schöne Dinge im Leben, die ich gern erleben will. Bitte drückt mir die Daumen!