Endlich angekommen!?

Liebe Mitkämpferinnen, liebe Freunde und liebe Leser,

endlich mal wieder eine Nachricht von mir.

Der Januar war ein Monat vollgepackt mit Arbeit, natürlich einigen Kinobesuchen und regelmäßigen Stunden im Schwimmbad.

Ich habe immer öfter das Gefühl, ich bin in meinem neuen und irgendwie auch alten Leben angekommen. Mir gefällt es in meiner neuen Arbeitsstätte weiterhin sehr gut, das Umfeld und meine Kollegen geben mir ein Gefühl der Sicherheit. Die Arbeit macht Spaß und ich kümmere mich sehr gern um meine Patienten.

Immer öfter vergesse ich, was hinter mir liegt und doch ist es immer präsent. Ich kann es nur schwer beschreiben. Die Angst rückt in den Hintergrund, die Krankheit bestimmt nicht mehr zu 100 Prozent mein Leben und ich fühle mich pudelwohl in meinem Anästhesistendasein.

Trotzdem werde ich immer an meine Therapie erinnert, da meine Zehen im linken Fuß ab und zu schmerzen oder mir die Zehen nicht so ganz gehorchen wollen. Es ist fast, als würde das Taubheitsgefühl wieder stärker werden.

Es gibt auch sehr gute Neuigkeiten: Ich war in dieser Woche bei Charlotte zur dreimonatigen Ultraschallkontrolle und ... es ist alles in Ordnung! Wieder fiel mir ein Stein vom Herzen. Allerdings schmerzt die OP-Stelle, wahrscheinlich aufgrund von Narbenadhäsionen (Verwachsungen) und die Schmerzen strahlen manchmal ganz plötzlich und heftig bis in den rechten Brustkorb aus. Charlotte hat mir deshalb spezielle Massagen verordnet. Ich lasse mich da mal überraschen und werde euch davon berichten.

Getapt

Gestern hatte ich nun meine erste Massage.

Ich war sehr gespannt und habe mich überraschen lassen, was mich wohl erwarten würde. Ich gebe aber zu, dass ich ein bisschen Angst davor hatte. Was wäre, wenn die Therapeutin etwas ertasten würde, das mir bisher entgangen ist? Könnte da auch ein neuer Tumor versteckt sein? Natürlich wusste ich, dass diese Angst unbegründet war, aber ich konnte nichts dagegen tun und beruhigte mich erst wieder, als ich im gemütlichen Wartezimmer von einer sehr netten und vertrauenserweckenden Therapeutin empfangen wurde.

Sie untersuchte mich und stellte fest, dass ich deutliche Verwachsungen des Bindegewebes habe. Die sogenannten Faszien, die die Gelenke, Muskeln und Sehnen im rechten Brustkorb, im rechten Schultergelenk und im rechten Oberarm umschließen, haben sich nach der operativen Entfernung des Tumor um die verbleibende "Lücke" neu organisiert und dabei verklebt.

Was dann folgte, war richtig gut. Ich erhielt eine einstündige Mischung aus klassischer Massage, einer osteopathischen Behandlung und eine Faszienmassage in allen Muskeletagen. Vom Wohlfühlen bis zu (aushaltbaren) Schmerzen war alles dabei. Danach konnte ich tatsächlich meinen rechten Arm weniger schmerzhaft über den Kopf und nach hinten bewegen.

Tape

Außerdem habe ich jetzt zwei kleine elastische, selbstklebende Tapes auf der Narbe. Die Wirksamkeit der Therapie des Tapens ist zwar nicht wissenschaftlich belegt, aber es werden damit oft gute Ergebnisse erzielt. Bei mir geht es nicht nur um eine Schmerzreduktion, sondern auch um eine positive Beeinflussung der Muskel- und Gewebsspannung und eine Verbesserung der Mikrozirkulation, also der Durchblutung und des Lymphabflusses.

Nächste Woche habe ich bereits meine zweite Therapie-Sitzung und irgendwie freue ich mich darauf.

Nuuur die Ruhe!

Nick: Nuuur die Ruhe!

In diesen Tagen gibt es in meinem beruflichen Alltag ein paar Turbulenzen. Eigentlich nichts Schlimmes, aber früher hätte ich mich wohl total darüber aufgeregt. Doch jetzt: NICHTS!

Ich nehme es völlig gelassen, frei nach dem Motto "Unnützes Aufregen ist verschwendete Lebenszeit". Mit dieser Ruhe überrasche ich mich selbst, denn eigentlich entspricht sie nicht meiner Natur. Da stellt sich zu Recht die Frage, wieso das so ist.

Vielleicht hat mich meine Erkrankung so beeinflusst, weil ich einschneidendere und viel schlimmere Veränderungen durchleben musste, die andere Probleme eher nichtig erscheinen lassen. Oder es liegt nur an der gewachsenen Gewissheit, dass man nicht alles im Leben beeinflussen kann.

Eventuell ist es auch die Folge angesammelter Lebenserfahrungen und des fortgeschritteneren Alters. Ich weiß es nicht, aber mir ist klar geworden, dass ich in dieser Hinsicht unbewusst zu einem neuen Menschen geworden bin. Es war ein sanfter, allmählicher Wandel. Für mich ist er eher gut, weil es öfter Situationen gab, in denen ich zu viel Temperament hatte und dazu neigte, meine Energie in sinnlosen Aktivitäten zu vergeuden.

Zwangspause

Nun hat mich eine Erkältung erwischt und ich erhole mich wieder auf meinem Sofa. Ich hatte inzwischen schon vergessen, dass ich hier mal wochenlang herumlag und chillte. Der neue Grund dafür ist aber vergleichsweise sehr viel angenehmer und nicht wirklich schlimm.

Ich möchte euch bei dieser Gelegenheit auch auf ein Interview aufmerksam machen, das erst kürzlich per Telefon mit mir geführt wurde. Der daraus zusammengestellte Artikel wurde bereits am 17. März im Tagesanzeiger, einer überregionalen Schweizer Tageszeitung, abgedruckt.

Zu spät? Nicht ganz, denn ihr könnt alles auch im Internet auf der Seite "Kampf gegen Krebs" nachlesen. Vielleicht entdeckt ihr dort noch viel mehr, was euch interessiert. Also, lasst euch einfach durch die Seiten treiben und entdeckt Neues und Spannendes zum Thema Krebs!

Sonnige Ostertage!

Meine Grippe wurde unerwartet doch noch ein echter Sofafall. Ich war fast stimmlos, hatte schlimme Kopfschmerzen, Husten, Schnupfen und ich fühlte mich völlig kraftlos.

Trotzdem ist die Woche auf dem Sofa schnell vergangen. Und schon ist es Karfreitag!

 

Liebe Krebskillerinnen, liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche euch ein schönes Osterfest mit vielen bunten Ostereiern, gemütlichen Stunden mit euren Liebsten und vielleicht kommt endlich auch der Frühling zu uns.

Blogger unter Bloggern

Ich war am Samstag zu einem Krebsblogger-Workshop in Köln eingeladen, dem ersten dieser Art. Ganz ehrlich, ich fuhr mit gemischten Gefühlen dort hin: Welche anderen bloggenden Krebspatienten werde ich kennenlernen, welche Atmosphäre wird mich erwarten und wird es mir selbst guttun, dabei zu sein. Welche Fragen und Probleme werden diskutiert, wird mir das helfen oder in irgendeiner Weise nützlich sein. Kurz: Worauf genau lasse ich mich eigentlich ein?

11:00 Uhr. Das erste Kennenlernen beim Kaffee. Beeindruckend! Toll, locker, spannend! Ich bin von Beginn an überwältigt und fühle sofort: hier gehöre ich hin, hier werde ich verstanden, inmitten von Gleichgesinnten. Wir alle verstehen uns - notfalls auch mit ganz wenig Worten.

Wir reden über das Bloggen - das Warum, das Wie und das Wofür. Wir erzählen uns, wen wir erreichen, wen wir treffen und von all den wunderbaren Erfahrungen die wir durch das Bloggen gesammelt haben. Wir berichten uns von Hilfe und Unterstützung, von Verständnis und Unverständnis. Es ist so viel, so berührend und so ergreifend. All die tollen und außergewöhnlichen Mitkämpfer! Freunde, es ist mir eine große Ehre, euch auf diese Weise kennengelernt zu haben, jeden einzelnen von euch mit seiner ganz individuellen Geschichte.

Ich denke, uns alle hat das irgendwie weitergebracht. Ein ganz, ganz liebes Dankeschön an euch alle! Bitte hört niemals auf, weiter zu kämpfen - für euch selbst und all eure Leser, denen ihr mit eurer Arbeit immer wieder neue Kraft spendet!

Danke auch an alle Organisatoren, die für ein spannendes, interessantes und abwechslungsreiches Programm gesorgt haben und denen unser Wohlbefinden ein echtes Bedürfnis war. Danke an die Referenten, die uns einen tiefen Einblick in die wissenschaftlichen Zusammenhänge unserer Problematik gewährten. Danke an das Catering, von dem wir mit auserwählten Köstlichkeiten in hervorragender Weise versorgt wurden. Danke an unsere Zeichnerin und unseren Fotografen, die den gesamten Tag in beeindruckender Weise für uns dokumentierten. DANKE!!!

Und bereits in wenigen Tagen werde ich euch hier an dieser Stelle ein paar wirklich beeindruckende Mitstreiter näher vorstellen. Bleibt neugierig!

MaiRose42

Ich hänge emotional immer noch total beim Bloggertreffen in Köln fest, höre dabei die Musik, die mich auch schon während meiner härtesten Chemo-Zeit begleitet hat, und lasse mich einfach treiben. Ich lese viel in den Blogs der Anderen und bin beeindruckt. Was für tolle Menschen - zum Beispiel MaiRose42. Ich werde sie euch vorstellen:

MaiRose42 - Logo

Im Februar 2016 erkrankte MaiRose42 an Brustkrebs. Im März wurde der Wächterlymphknoten entfernt, um die weitere Verschleppung von Tumorzellen im Körper zu stoppen. Danach begann eine kräftezehrende Chemotherapie, die gut anschlug und den Krebs in der Brust schrumpfen ließ. Da der Gentest positiv, also das Risiko für genetisch bedingten Brustkrebs stark erhöht war, folgte im Oktober die Mastektomie (chirurgische Entfernung) beider Brüste. Später wurden noch die Eierstöcke entfernt.

MaiRose42 (links) und Julia
MaiRose42 (links) und Julia

Damit ist jetzt die letzte Krebszelle beseitigt, die Lymphknoten sind tumorfrei und eine Bestrahlung ist nicht mehr erforderlich.

Ich habe MaiRose42 als sehr lebenslustige, positive und extrem nette Frau kennengelernt. Sie selbst sagt über sich, dass sie gerade wieder ihre Mitte sucht und starken Stimmungsschwankungen unterliegt.

Liebe MaiRose42, ich wünsche dir viel Kraft, um wieder den Boden unter den Füßen zu finden - und natürlich die mittigste aller Mitten! Kümmere dich erst mal weiterhin gut um dich selbst. Lass dir alle Zeit dafür, die du benötigst. Ich glaube, du bist auf einem guten Weg, damit es dir bald noch besser geht. Alle Mitkämpferinnen drücken dir die Daumen. Du bist nicht allein!

Krebstierchen

Nur 0,5 bis 4 Prozent aller Mammakarzinome sind Sarkome. Das Sarkom der Brustdrüse ist ein extrem selten auftretender und sehr bösartiger Tumor. Besonders im Anfangsstadium ist es nur sehr schwer erkennbar, weil es leicht mit einer Zyste verwechselt werden kann. Davon betroffen sind oft junge Frauen, wie leider auch eine sehr tapfere Frau, die ich in Köln erleben durfte, und die sich selbst Krebstierchen nennt.

Krebstierchen - Logo

In ihrem Blog könnt ihr sehr emotional mitverfolgen, durch welche Tiefen sie gehen musste. Da gab es diesen Riss durch ihr junges Leben. Plötzlich drängte sich das Thema Krebs in ihren Alltag. Alles ging so rasend schnell, keine Zeit um klare Gedanken zu fassen.

Krebstierchen

Völlig ausgelaugt von der Chemotherapie, verlor sie viel Gewicht und die Orientierung im Leben. Das drängende Problem der Brustamputation und die quälende Frage, ob sie sich jemals einen Kinderwunsch wird erfüllen können, entzogen ihr auch noch die letzte Energie.

Das Krebstierchen hat es trotzdem irgendwie geschafft. Heute, viereinhalb Jahre nach der Diagnose, ist sie tumorfrei und endlich wieder in einem normalen Leben angekommen. Es ist anders als früher, vieles geht langsamer, entschleunigt, manches vielleicht sogar besser.

Jedenfalls habe ich eine offene, lustige und Optimismus ausstrahlende junge Frau kennengelernt, die ihren Beruf liebt und mit ihrem neuen Leben voll und ganz zufrieden zu sein scheint. Alles Gute, liebes Krebstierchen!

Eine wahre Heldin

Es gibt einen Grund, weshalb ich euch heute eine echte Kämpferin vorstelle. Ich habe mich bereits vor dem Bloggertreffen in Köln über sie informiert. Schon damals habe ich sie mehr als nur bewundert. Sie verdient unseren ganzen Respekt und ich ziehe den Hut vor ihr. Beim Lesen ihrer Geschichte kamen mir die Tränen. Es fällt mir deshalb nicht ganz leicht, für euch über sie zu berichten.

Sabrina - Logo

Sabrina erkrankte schon als Teenager an Krebs. Als ihr die Ärzte nicht mehr helfen konnten und ihr mitteilten, dass sie schon in jungen Jahren sterben wird, wollte sie das nicht einfach so hinnehmen. Sie schlug dem Tod ein Schnäppchen und nahm ihr Schicksal mutig und entschlossen in die eigenen Hände. Die ausgesprochen intelligente und pfiffige Frau ging - trotz aller Widerstände - zum Studieren ins Ausland, probierte viel Neues aus und kam wieder zurück.

 

Sabrina - Porträt

Leider wich der Krebs nie von ihrer Seite. Sie gilt als "austherapiert". Was für eine Scheußlichkeit von Begriff für eine junge Frau, die eigentlich in den besten Jahren ihres Lebens steht. Aber genau so spricht sie auch über sich selbst. Sie erträgt tapfer das tagtägliche Martyrium, die irre vielen Medikamente, die sie schlucken und spritzen muss, und auch deren nicht unerhebliche Nebenwirkungen, die ihren Alltag nachhaltig beeinträchtigen.

Und wisst ihr was, sie strahlt unglaublich viel Optimismus, Kraft und Selbstbewusstsein aus. Davon könnte auch ich noch etwas gebrauchen. Sie lebt ihr Leben und genießt ausgiebig all die schönen Momente im Leben, die sie sich immer noch zu bereiten vermag. Sie ist das Gegenteil von einem Jammerlappen. Musik ist ihr Elixier, ihr Kraftspender, ihr Leben. Für mich ist Sabrina eine Heldin, eine von den wenigen, ganz besonderen.

Während des Schreibens überkommen mich schon wieder die Emotionen. So sehr hat sie mich beeindruckt und zum Nachdenken inspiriert. Sie weiß, dass der Krebs sie töten wird, sie weiß nur noch nicht wann. Aber eines ist sicher: Sabrina hat ihrem Leben bereits jetzt einen Sinn gegeben, weil sie alles tut, was ihr guttut und ihr Leben bereichert und weil sie uns anderen Mitstreitern damit unglaublich viel Mut macht und Zuversicht gibt. Sabrina, du hast mein Herz berührt und so schnell werde ich dich ganz sicher nicht vergessen!

Geht auf ihr Facebook-Profil, lernt sie kennen und überzeugt euch selbst.

Krebsratgeber

Ich möchte euch eine Internetseite vorstellen, in der ihr Bekanntes, Interessantes und Neues zum Thema Krebs erfahren könnt: krebsratgeber.de.
Krebsratgeber - Logo

Von Experten, aber dennoch sehr verständlich geschrieben, findet ihr Informationen zu den Ursachen einer Krebserkrankung und zu den verschiedenen Therapien. Ihr könnt euch mit Betroffenen austauschen oder ärztliche Hilfe in der Nähe eures Wohnortes suchen. Lasst euch durch die verschiedenen Bereiche treiben und inspirieren. Holt euch Tipps zur Ernährung, zum Schminken oder auch Ratschläge zu den Themen Sport, Bewegung sowie zur Psychotherapie und vielem mehr.

Viel Spaß beim Schmökern wünscht euch eure Julia.

Sommerzeit

Ihr habt schon lange nichts von mir lesen können, denn André und ich waren viel unterwegs und hatten sehr aktive Ferienwochen.

Ob nun im Urlaub oder zu Hause - ich liebe den Sommer und die Wärme, auch wenn es richtig heiß ist. Ich bin für den Sommer geschaffen. Endlich muss ich (außer im klimatisierten Operationssaal) nirgendwo frieren. Habe ich frei, sind das Freibad oder die Liege auf dem Balkon mein Domizil. Dazu ein gutes Buch und fertig ist die Wohlfühloase.

Es geht mir gut. Ich arbeite weiterhin 100 % und das ist kein Problem für mich. Wenn ich zurückblicke, bin ich selbst erstaunt, wie viel Zeit seit dem 21. August 2015 vergangen ist, was ich alles bewältigt habe und wie gut ich wieder in ein normales Leben zurückgefunden habe. Ich verstehe das auch als großes Glück und versuche jeden Tag so zu leben, dass ich damit zufrieden bin.

Mojito

Mir ist aber immer noch klar, dass ich jederzeit von einem Zweittumor oder Metastasen betroffen sein kann. Deshalb nehme ich in meinem jetzigen Leben alles mit, was mir guttut, was mir Spaß macht und was ich unbedingt noch erleben möchte. Nichts wird auf ein eventuelles Später verschoben. Ich will mir nicht vorwerfen müssen, irgendetwas verpasst zu haben.

Mein Fazit: Lebt euer Leben jetzt und hier, unabhängig davon, ob ihr gerade erst von einer schlimmen Diagnose geschockt worden seid, eine harte Therapie zu durchleiden habt oder euch davon erholt und auch (oder gerade!), wenn ihr gegen Nachfolgeerkrankungen ankämpfen müsst.

Das Leben zu genießen, muss nicht bedeuten, die ganze Welt zu bereisen. Auch schon eine Tasse Kaffee mit Freunden, sich die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen oder mich von André verwöhnen zu lassen, gehören für mich zu einem schönen Leben. Und: auch ein Glas Chardonnay soll nicht schaden.

Hips Don't Lie

Ist das nicht ein echter Jahrhundertsommer? Genau das Richtige für Sonnenanbeter wie mich!

Dazu gehören natürlich auch heiße Sommerrhythmen. Zwei Vorschläge zum Zuhören und Mittanzen habe ich für euch. Spürt dabei die Wärme, das Meer und die Sonne. Tanzt mit Shakira! Das hebt die Stimmung und tut gut - nicht nur den Hüften.

Shakira feat. Maluma - Clandestino, 2018

Shakira feat. El Cata - Loca, 2010

Krebskiller-Interview 2018 (Teil 1)

Krebskiller-Interview, Teil 1

Julia, du siehst aus wie das blühende Leben. Hast du gerade deinen Urlaub hinter dir?

Danke für das Kompliment! Hinter mir liegt ein erlebnisreicher Sommer. Im Juni und Juli waren André und ich viel in Europa unterwegs. Daran schlossen sich sehr aktive Wochen an. Ich war mindestens jeden zweiten Tag schwimmen. Das hat mir unglaublich viel Spaß gemacht und ich konnte meine Leistungen kontinuierlich steigern. Dieser Sommer war einfach MEIN Sommer! Ich mag die Hitze und kühle mich dann gern im Freibad ab. Aber inzwischen bin ich wieder im Alltag mit meinem normalen Arbeitspensum gelandet. Trotzdem schaffe ich es noch, regelmäßig dreimal pro Woche schwimmen zu gehen.

Weil sich deine Brustkrebs-Diagnose zum drittem Mal jährt, möchte ich dir gern wieder ein paar Fragen stellen. Stört es dich eigentlich, wenn du immer mal wieder, so wie jetzt von mir, auf deine Krankheit angesprochen wirst?

Nein, gar nicht. Ich habe ja den Blog und somit bin ich immer für alle meine Leserinnen und Leser erreichbar. Ich beantworte weiterhin alle Fragen, die mir dazu gestellt werden, also auch deine.

Gut, dann lass uns loslegen. Was würdest du selbst über dich sagen: "ich HABE Brustkrebs" oder "ich HATTE Brustkrebs"?

Schwierige Frage! Gerade an Tagen wie gestern, als ich plötzlich sehr unangenehme Schmerzen in meinem Operationsgebiet hatte, weiß ich, dass es noch nicht ganz vorbei ist. Ich tendiere dazu zu sagen, dass ich Brustkrebs habe.

Das tut mir leid. Wie oft hast du denn noch solche Schmerzen?

Selten. Ich bin jedes Mal überrascht, wenn dort etwas wehtut. Natürlich gehen mir dann die verschiedensten Gedanken durch den Kopf. Sofort kommen Angst und Panik vor einem neuen Tumor zurück. Wahrscheinlich hat aber meine Gynäkologin Recht, wenn sie sagt, dass sich ein Wetterumschwung auf diese Weise in meinem Körper bemerkbar macht. Klingt seltsam, stimmt aber vielleicht.

Hat deine Krankheit oder auch die hammerharte Therapie noch andere Folgen hinterlassen, an denen du immer noch leidest?

Ja, ich plage mich weiterhin mit Gefühlsstörungen in den Zehen des linken Fußes. Manchmal spüre ich sie gar nicht, beispielsweise beim Schwimmen. Oder bei niedrigen Temperaturen merke ich oft viel zu spät, dass mein Fuß total kalt ist. Erst kürzlich hatte ich da ein ganz merkwürdiges Erlebnis.

Erzähle!

Ich bin mit dem kleinen Zeh ganz heftig gegen den Fuß eines Sofas gestoßen. Im ersten Moment tat es gar nicht weh, aber als ich meinen Fuß sah, traf mich der Schock. Der Zeh stand im 45°-Winkel nach außen ab, er war aus dem Gelenk gerissen. Da habe ich von meinem medizinischen Wissen profitiert und konnte ihn mir zum Glück gleich selbst wieder einrenken und einen Verband anlegen. Doch der Schmerz kam wirklich erst später.

Oje, das tut ja schon beim Zuhören verdammt weh. Und sonst?

Naja, es gibt noch etwas, das sich verändert hat. Meine Verdauung ist nicht mehr so robust wie früher. Vor meiner Erkrankung konnte ich alles essen und hatte nie Probleme. Jetzt bekomme ich manchmal ganz plötzlich krampfartige Bauchschmerzen, gepaart mit Durchfall und dies hält dann ein paar Stunden an. Extrem scharfes Essen, aber auch Gerichte, die mit Curry oder Koriander gewürzt sind, vertrage ich ganz schlecht. Ich bekomme dann Bauchweh, muss stundenlang aufstoßen und werde damit immer wieder an diesen Geschmack erinnert.

Im letzten Jahr war ich zu einer Routinekoloskopie (Darmspiegelung). Dort konnte nur eine leicht unspezifische Entzündung des Darmes festgestellt werden. Ich muss jetzt neu lernen, welche Nahrungsmittel mir Probleme bereiten, um diese dann zu meiden. Aber ich will auch nicht jammern, dafür gibt es keinen Grund. Die wenigen Beeinträchtigungen nehme ich gern in Kauf, wenn ich dafür den Krebs besiegt haben sollte! Also eigentlich geht es mir richtig gut.

Schön, dass du das so siehst. Gut, das waren erst mal die gesundheitlichen Aspekte. Hat sich auch in deinem Job etwas verändert?

Ja, aber das war eher ein schleichender Prozess. Richtig aufgefallen ist mir das erst im Laufe des letzten Jahres. Manchmal gibt es einen Moment, in dem sich in meinem Umfeld eine mehr oder weniger große Verärgerung aufbaut. Oft denke ich dann: "Was regt ihr euch so auf? Es gibt echt Schlimmeres!" Der Vorteil ist, ich bin jetzt in solchen Situationen viel besonnener und weniger emotional als früher. Manchmal kann ich sogar anderen bei der Konfliktbewältigung helfen.

Meine Patienten profitieren von meiner neuen, ruhigeren Art wohl am meisten. Ich nehme mir im Gespräch mehr Zeit und achte darauf, dass jeder Patient alles versteht, was ich erläutere. Gern lasse ich mich so lange ausfragen, bis alle beruhigt sind und sämtliche Unklarheiten beseitigt sind. Und weißt du was, das macht sogar auch richtig Spaß und gibt mir eine innere Befriedigung, die mit nichts zu vergleichen ist.

Und auch André hat mir bestätigt, dass ich oft ruhiger und gelassener reagiere als früher.

Klingt spannend. Und damit sind wir automatisch bei der nächsten Frage: Wie hat der Brustkrebs dein Privatleben beeinflusst?

Da hat sich im letzten Jahr eigentlich nichts mehr verändert. Ich genieße mein Leben anders als vor meiner Erkrankung. Besonders die kleinen Momente machen mir viel Spaß und geben mir Kraft: gemütliche Stunden mit André, Zeit verbringen mit Freunden, ein Buch im Café lesen - alles unvergleichlich schön! In diesem Jahr haben André und ich schon viele Konzerte genossen und die Musik unserer Helden live erlebt. Das ist und bleibt für uns nicht nur emotional der absolute Wahnsinn!

(Fortsetzung folgt am 2. September)

Krebskiller-Interview 2018 (Teil 2)

(Fortsetzung vom 26. August)

Krebskiller-Interview, Teil 2

Hast du noch unerfüllte Träume?

Du fragst nach meinen Träumen? Gut, da fallen mir gleich zuerst meine Leserinnen und Leser ein. Ich wünsche mir, dass es allen Betroffenen möglichst schnell besser geht, dass ich ihnen in schlimmen und anstrengenden Zeiten ein bisschen helfen konnte oder helfen kann. Es wäre wunderbar, wenn sie alle den Krebs besiegen würden, geheilt und gestärkt in ein neues Leben starten könnten. Ja, ich weiß, es ist nicht wirklich realistisch, dass es alle schaffen können, aber schließlich hast du mich ja auch nach meinen Träumen gefragt.

Und was erträumst du dir für dich selbst, was ist dir in deinem Leben am wichtigsten?

Mein größter Traum ist, dass mich der Krebs nie wieder einholt. Es wäre schön, wenn ich auch in den nächsten Jahren noch tumor- und metastasenfrei bleibe und einer neuen, gesunden Zukunft entgegensehen kann. Auch all meinen Freunden, Bekannten, Verwandten und Kollegen wünsche ich, gesund und vom Krebs verschont zu bleiben.

Natürlich träume ich ständig von Urlaub am Meer mit Sonne, Strand und Palmen, mit viel Zeit am und im Wasser, dazu ein-zwei gekühlte Getränke mit Schirmchen. Und: ich möchte noch ganz viel von der Welt sehen, da gibt es so viel Schönes zu entdecken.

Und sonst? Mein Beruf bedeutet mir extrem viel, hier kann ich mich ausleben und anderen Menschen Gutes tun. Das macht nicht nur viel Spaß, es gibt meinem Leben auch einen Sinn. Und ich möchte mit André und all meinen Freunden viele schöne Stunden verbringen und mit ihnen gemeinsam das Leben genießen.

Engagierst du dich neben deinen beruflichen Verpflichtungen auch sonst noch für den Kampf gegen den Krebs?

Aber sicher. Ich führe immer noch meine Internetseite weiter. Leider fehlt mir etwas die Zeit, mehr zu bloggen, aber zum Glück gibt es momentan auch keine schrecklichen Neuigkeiten zu vermelden. Ich bezahle jedes Jahr einen dreistelligen Betrag dafür, dass diese Seite als Informationsquelle und Mutmacher für andere Betroffene im Netz bleiben darf. Ist das auch schon eine Art Engagement?

Im April hatte ich an einem Krebsblogger-Workshop in Köln teilgenommen, über den ich auch in meinem Blog berichtet hatte, und am 9. September werde ich zum dritten Mal in Folge zusammen mit André aktiv das Race for Life in Bern unterstützen, eine Großveranstaltung, die Spenden für den Kampf gegen den Krebs sammelt. Wer sich ebenfalls dafür engagieren, Geld für den guten Zweck spenden oder mich auf dieser Veranstaltung persönlich kennenlernen möchte, muss mir über mein Kontaktformular einfach nur eine kurze Nachricht zukommen lassen.

War das jetzt eine Einladung?

Natürlich!

Angenommen! Dann sehen wir uns schon bald wieder.

Ist das jetzt ein Versprechen?

Natürlich!

Da kommst du jetzt nicht mehr raus. Und vergiss dein Geld nicht! Jede Spende ist wichtig, auch die allerkleinste!

Versprochen! Julia, dann bis bald und herzlichen Dank erst mal für die Beantwortung aller Fragen!

(Ende des Interviews)

Chaos oder Krise

Ich habe lange nichts von mir hören lassen, weil mich der normale Alltag wieder voll gefangen nimmt. Doch heute gibt es Neuigkeiten, aber weniger schöne, denn es geht mir gerade nicht besonders gut. Kann sein, dass es daran liegt, dass ich am Montag zum PET-CT muss und von dem Gedanken daran Bauchschmerzen bekomme.

Immer öfter beschleicht mich das Gefühl, dass irgend etwas nicht gut ist. Ich habe wieder Schmerzen in der Brust. Vielleicht ist das nur selbstgemachter Terror. Das einzige, was ich dagegen tun kann und was ein wenig ablenkt, ist Arbeiten. Das mache ich wohl sogar mehr als mir guttut. Ich bin immer noch extrem gern Anästhesistin. Mein Job, mein absoluter Traumjob, ist ein Teil von mir. Hier kenne ich mich aus und fühle mich zu Hause.

Manchmal ist es auch Musik, die mich auffordert, vorgetretene Wege hin und wieder zu verlassen, so wie zum Beispiel Gary Barlows Song Jump:

 

"if you want a better view

then another life is calling you

to go ahead and try now

or how you gonna find out

if life has got predictable

go on do something wonderful

the first step is the hardest

you'll be safe without a harness

so jump"

(Gary Barlow - Jump, 2013)

Gary Barlow - Jump (live), 2013

Aber am Abend abzuschalten, fällt mir schwer. Mir schmerzen dann oft die Beine und ich fühle mich chronisch müde. Ich gehe immer noch dreimal pro Woche schwimmen. Freiwillig! Aber auch das sind Termine. Immer öfter quäle ich mich ins Schwimmbad und erst, wenn ich im Wasser bin, geht es mir besser. Wenn ich am Abend einen Film sehen möchte, fehlt mir oft die Geduld, 90 schlappe Minuten entspannt durchzuhalten. Dann gehe ich lieber früher schlafen. André erträgt mich tapfer, obwohl ich nach der Arbeit eher eine Spaßbremse bin als eine Partnerin zum Unterhalten.

Körper, Herz und Hirn wollen nicht immer das Gleiche. Mein Hirn sagt oft: "Willkommen zurück im alten Leben! Du bewältigst deinen Job und zur Erholung reicht das Wochenende." Das Herz reagiert entsetzt: "Du hattest dir doch vorgenommen, mehr auf dich zu achten und notfalls auch mal die Notbremse zu ziehen." Mein Körper ergänzt dann müde, erschöpft und in Anlehnung an mein altes System der Wohlfühlpunkte: "Sorry, auch heute wieder reicht es nur für maximal sechs Punkte."

Kennt ihr sowas auch? Wie kann ich diesem Teufelskreis entrinnen? Ich fürchte, mir fehlen dafür die wirklich guten Ideen und ich hoffe, nach dem PET-CT und dessen Auswertung wieder aus dem Hamsterrad heraus und zu mir zurück zu finden. Schließlich gibt es noch so viele schöne Dinge im Leben, die ich gern erleben will. Bitte drückt mir die Daumen!